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Bedeutsamkeit des Formlosen - die informelle Kunst des Josef Obornik –
„Signifiance de l’informel“ (M. Tapié) – Bedeutsamkeit des Formlosen. Das kennzeichnet mit der Stilrichtung des „Informel“ die Kunst des Josef Obornik.
Der Widerspruch ist nur scheinbar, wenn man in Oborniks Bildern gegenstandsfreie, aber keineswegs inhaltlose Malerei sieht. Was er in kühnen Abstraktionen vermeintlich heftig, ja ungestüm hinwirft, ist ihm gleichsam vordergründiger Mal – und tiefsinniger Hintergrund für verschlüsselte Botschaften.
Polare Klammer: Einerseits übereinandergewischte, verlaufende, manchmal collagierte, mitunter deckende, meist jedoch brüchige, aufreißende Fondfarben.
Andererseits chiffrierte Kommunikation mit eigener – eigenwilliger – Handschrift. Unleserlich, weil absichtsvoll grafisch. Reizvolle kalligrafische Fragmente. Und dann setzt er ordnende Zeichen in scheinbare Unordnung. Spuren. Landmarken. Kreuze. Hier bin ich. Da ist Halt, Geborgenheit. Dort ist kreative Unruhe. Die Suche. Da ahnt man – sieht man? – Wege, Perspektiven, Horizonte. Nicht von ungefähr entstehen auf diese Weise archaische Landschaften und Lebensräume in ungemein spannungsvollen Rhythmen und Strukturen.
Josef Obornik kommt eigentlich vom klassischen Gegenüber des „Informel“, von einer Kunst abgegrenzter Formensprache mit festen Kompositionsgesetzen. Weil er die traditionellen Stil- und Spielregeln perfekt beherrscht, konnte er sich kompetent von ihnen entfernen. Erkennbar hat er sich schon in früheren Werken durch angestammte Grenzen und akademische Konventionen eingeengt gefühlt. Er stieß sich an ihnen, wenn er surreal auf Sinnsuche ging, neugierig auf alles, was da lebt und liebt und möglichst auch querdenkt.
Künstlerisch längst grenzüberschreitend „frei“, hat sich Josef Obornik diese Neugier bewahrt. Dabei hat er seinen Malduktus immer mehr von Erzählerischen entfernt und seine Botschaft immer stärker verdichtet, reduziert auf wenige prägnante Merkmale.
Josef Obornik ist auf diese Weise zu einem bedeutenden informellen Künstler unserer Zeit geworden, zu jemandem, der mit großer Meisterschaft seine Künstlerischen Anstöße zum Dialog setzt.
Dabei ist immer auch ein Stück Ego – siehe Kreuz. Hier bin ich. Wo bist du?
Jens Oberheide
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